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Faktencheck EUROPA 3

100.000 Brötchentüten gegen Hybrid-Weizen

Wie die G20 Gentechnik und Konzernmacht auf dem Acker fördert

von Jutta Sundermann und Karen Schewina

Als im Jahr 2011 die G20-Präsidentschaft bei Frankreich lag, lud der französische Agrarminister in seinen Amtssitz ein, um am 15. September die „Weizen-Initiative“ (Wheat Initiative) zu gründen. Hintergrund waren die stark schwankenden Preise und die Diskussion um die Spekulation mit Agrarrohstoffen. Hauptziel der Initiative ist die Förderung der Weizenforschung zur weltweiten Ernährungssicherung. Welches Konzept für „Ernährungssicherung“ gemeint ist, wird schnell deutlich.
Denn Konzernfreundlichkeit ist bei der Wheat Initiative ein Kernelement. Ihr gehören heute 16 der G20-Staaten an (aus der EU sind das die G20-Staaten Frankreich, Deutschland und Italien und zusätzlich Irland und Spanien, die als Einzelstaaten nicht zur G20-Gruppe zählen). Hinzu kommen zwei internationale Forschungszentren sowie neun Saatgutkonzerne, unter ihnen Bayer, Syngenta und Monsanto.

Konkrete Förderprogramme beschäftigen sich mit der Entschlüsselung des Weizengenoms und verschiedenen Züchtungszielen wie erhöhte Stresstoleranz gegenüber Trockenheit oder bessere Ertragsstabilität. Der Beitrag der deutschen Bundesregierung: Mehrere Förderprogramme, angesiedelt beim Bundesforschungs- und beim Bundesagrarministerium zur Entwicklung eines marktfähigen Hybridweizens.

Hybridpflanzen liefern oft höhere Erträge als klassisch gezüchtete Sorten. Vor allem erfüllen sie ein wichtiges Interesse der Saatgutkonzerne: Hybridsaatgut ist nur zur einmaligen Aussaat geeignet. Wer aus seiner Ernte versucht, Saatgut für das kommende Jahr aufzuheben, wird keinen brauchbaren Ertrag mehr erreichen. Hybridpflanzen entstehen durch die Kreuzung zweier Elternpflanzen, die durch eine lange Inzucht-Reihe bei diversen Eigenschaften reinerbig sind. Schon in der nächsten Generation jedoch splitten sich die Eigenschaften aus den Elternlinien wieder auf und machen den Nachbau dieses Saatguts unrentabel.
Weizen ist ein Selbstbefruchter, das heißt, jede Pflanze kann sich selbst bestäuben und ist damit schwierig zu manipulieren. Also kommen gentechnische Methoden zum Tragen: einige der beteiligten Unternehmen setzen beispielsweise auf „CRISPR cas“, eine biochemische Methode, um DNA gezielt zu schneiden und zu verändern.
Und was ist mit der Welternährung? Zahlreiche Studien zeigen bereits, dass bei Weizen nur geringe Ertragssteigerungen erzielt werden können. Im Klartext heißt das: Die Bundesregierung gibt mehrere Millionen Euro aus, damit Saatgutkonzerne ein Saatgut entwickeln, mit dem die Landwirtschaft abhängig gemacht und Gentechnik auf dem Acker gerechtfertigt wird.
Dabei folgerte schon der Weltagrarbericht von 2008, dass Hunger nur zu bekämpfen ist, wenn Kleinbäuerinnen und Kleinbauern Zugang zu Saatgut, zu Land und zu Wasser bekommen und überlieferte Anbaumethoden eben nicht durch Hightech-Strategien verdrängt werden.
Die Kampagne „Brot in Not“ von Aktion Agrar und Partner-Initiativen organisiert Protestaktionen, gerichtet an die beiden Ministerien. Sie hat einen Weizenforschungskongress gestört. Und sie kooperiert mit zahlreichen Bäckereien, um 100.000 Brötchentüten mit der Botschaft gegen Hybridweizen in Umlauf zu bringen.
Die Autorinnen sind aktiv bei Aktion Agrar; Infos siehe: www.brot-in-not.de