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Faktencheck EUROPA 3

Glyphosat ist krebserregend

Wie die Agrarlobby auf Kosten unserer Gesundheit fälscht
von Ulrich Franz
Wie die Landwirtschaft produziert, ist für die Menschen wichtiger denn je. Denn von dem, was auf die Felder kommt, kommt immer auch etwas auf die Teller. Von Glyphosat kommt etwas mehr auf die Teller. 15.0000 Tonnen (1 Tonne = 1000 kg) von dem Herbizid werden in den USA auf die Felder gesprüht. In Deutschland immerhin 5000 Tonnen. Das macht 62 Gramm pro Person. Wobei glücklicherweise nicht alles auf dem Teller landet.
In Wien wurde Ende März 2017 der Bericht „Glyphosat und Krebs: Gekaufte Wissenschaft“ vorgestellt. Er zeigt auf, wie Monsanto und andere Glyphosat-Hersteller wissenschaftliche Belege zu Gesundheitsgefahren des Unkrautvernichters manipulierten. Damit wollen die Agrar-Konzerne ein Verbot des Wirkstoffs in der EU verhindern. Für Monsanto wäre ein Verbot von Glyphosat (Roundup bei Monsanto) besonders schwerwiegend, weil Monsanto genveränderte Saatgut bzw. genveränderte Pflanzen produziert, die speziell glyphosatverträglich sind. Sollte Glyphosat verboten werden, wäre dieser Geschäftszweig tot. Insbesondere steht Monsanto mit Bayer in Übernahmeverhandlungen. Bayer würde bei einer eingeschränkten Monsanto-(Saatgut) Produktion für eine Übernahme deutlich an die Monsanto-Aktionäre zahlen. Also steht Monsanto unter enormem Druck.
Die von der WHO-Krebsforschungsagentur (IARC) im März 2015 vorgenommene Klassifizierung von Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend für den Menschen“ brachte die Konzernchefs heftig ins Schwitzen. Um zu verhindern, dass Glyphosat die Zulassung in der EU verliert, finanzierten die Hersteller eine Reihe von Studien zur Gefährlichkeit von Glyphosat, die in Wissenschaftsjournalen veröffentlicht wurden.
Dr. Peter Clausing, Toxikologe und Mitautor des von der österreichischen Organisation Global2000 veröffentlichten Berichts: „Die Bemühungen der Hersteller und Behörden, Glyphosat entgegen den Beweisen für dessen krebserzeugende und erbgutschädigende Wirkung gegen ein Verbot zu verteidigen, ist wissenschaftlich unseriös und von ernsthaften Interessenskonflikten geprägt.“ Wichtige Informationen wurden weggelassen, irrelevante Daten präsentiert und Sachverhalte verzerrt. Die Leserschaft wurde so in die Irre geführt und wissenschaftliche Beweise geleugnet. Dies wird in einem umfangreichen Bericht mit dem Titel „Gekaufte Wissenschaft“ nachgewiesen.
Die Behörden, die in das Zulassungsverfahren von Pestiziden involviert sind – darunter das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), die europäische Lebensmittelbehörde (EFSA) und die europäische Chemikalienagentur (ECHA) – haben diese Studien-Ergebnisse unkritisch übernommen. Sie kommen folglich ebenfalls zu dem Schluss, dass Glyphosat kein Risiko für die Gesundheit darstellt.*
Monsanto hat erheblichen Einfluss auf Studien zu Glyphosat genommen, die die Grundlage für die Bewertung durch europäische Behörden waren. Deshalb hat die von der ECHA in der letzten Woche ausgesprochene Entwarnung für das Pestizid ein massives Glaubwürdigkeitsproblem. Die Bundesregierung darf der ECHA-Bewertung deshalb nicht folgen und muss in Brüssel gegen die Wiederzulassung von Glyphosat stimmen“, so Christine Vogt, Referentin für Landwirtschaft am Umweltinstitut München e.V.
Das Umweltinstitut München startete gemeinsam mit vielen anderen Organisationen eine Europäische Bürgerinitiative, mit der ein EU-weites Glyphosat-Verbot und der Schutz der Menschen und der Umwelt vor gefährlichen Pestiziden gefordert werden. Dieser Forderung haben sich bereits mehr als 500.000 Menschen aus ganz Europa angeschlossen.
Ulrich Franz ist aktiv bei der Basisinitiative Solidarität (www.baso.info) und Mitherausgeber von FaktenCheck:WUPPERTAL