Aufruf #ZeroCovid/Pressespiegel

(mehr als 84.000 Unterzeichner*innen /Stand: 24.1.21, 12 Uhr)

Das Ziel heißt Null Infektionen!
Für einen solidarischen europäischen Shutdown

Nach einem Jahr Pandemie sind wir in ganz Europa in einer äußerst kritischen Situation. Tausende Menschen sterben jeden Tag und noch viel mehr erkranken. Das neue Coronavirus breitet sich rasend schnell aus, von Mutationen noch beschleunigt. Die Maßnahmen der Regierungen reichen nicht aus: Sie verlängern die Pandemie, statt sie zu beenden, und gefährden unser Leben.

Die Strategie, die Pandemie zu kontrollieren, ist gescheitert („flatten the curve“). Sie hat das Leben dauerhaft eingeschränkt und dennoch Millionen Infektionen und Zehntausende Tote gebracht. Wir brauchen jetzt einen radikalen Strategiewechsel: kein kontrolliertes Weiterlaufen der Pandemie, sondern ihre Beendigung. Das Ziel darf nicht in 200, 50 oder 25 Neuinfektionen bestehen – es muss Null sein.

Wir brauchen sofort eine gemeinsame Strategie in Europa, um die Pandemie wirksam zu bekämpfen. Mit Impfungen allein ist der Wettlauf gegen die mutierte Virusvariante nicht zu gewinnen – erst recht nicht, wenn die Pandemiebekämpfung weiter aus aktionistischen Einschränkungen der Freizeit ohne Shutdown der Wirtschaft besteht. Wir setzen uns dafür ein, dass die Sars-CoV-2-Infektionen sofort so weit verringert werden, dass jede einzelne Ansteckung wieder nachvollziehbar ist. Das entschlossene Handeln etlicher Länder hat gezeigt, dass es möglich ist, die Verbreitung des Virus zu beenden.

Wir orientieren uns am internationalen Aufruf für die konsequente Eindämmung der Covid-19 Pandemie in Europa, den Wissenschaftler*innen am 19. Dezember 2020 initiiert haben.1 Wir sind allerdings überzeugt, dass die Eindämmung des Sars-CoV-2 Virus nur gelingen kann, wenn alle Maßnahmen gesellschaftlich solidarisch gestaltet werden. Darum fordern wir diese unerlässlichen gesellschaftlichen Maßnahmen:

1. Gemeinsam runter auf Null: Das erste Ziel ist, die Ansteckungen auf Null zu reduzieren. Um einen Ping-Pong-Effekt zwischen den Ländern und Regionen zu vermeiden, muss in allen europäischen Ländern schnell und gleichzeitig gehandelt werden. Wenn dieses Ziel erreicht ist, können in einem zweiten Schritt die Einschränkungen vorsichtig gelockert werden. Die niedrigen Fallzahlen müssen mit einer Kontrollstrategie stabil gehalten und lokale Ausbrüche sofort energisch eingedämmt werden. Wir brauchen drittens auch eine gemeinsame langfristige Vision – und auf deren Basis regionale und nationale Aktionspläne. Diese beinhalten Screening- und Impfstrategien, Schutz von Risikogruppen und Unterstützung der Menschen, die besonders stark von der Pandemie betroffen sind.

Um dieses Ziel zu erreichen, brauchen wir eine solidarische Pause von einigen Wochen. Shutdown heißt: Wir schränken unsere direkten Kontakte auf ein Minimum ein – und zwar auch am Arbeitsplatz! Maßnahmen können nicht erfolgreich sein, wenn sie nur auf die Freizeit konzentriert sind, aber die Arbeitszeit ausnehmen. Wir müssen die gesellschaftlich nicht dringend erforderlichen Bereiche der Wirtschaft für eine kurze Zeit stilllegen. Fabriken, Büros, Betriebe, Baustellen, Schulen müssen geschlossen und die Arbeitspflicht ausgesetzt werden. Diese Pause muss so lange dauern, bis die oben genannten Ziele erreicht sind. Wichtig ist, dass die Beschäftigten die Maßnahmen in den Betrieben selber gestalten und gemeinsam durchsetzen. Mit diesem Aufruf fordern wir auch die Gewerkschaften auf, sich entschlossen für die Gesundheit der Beschäftigten einzusetzen, den Einsatz von Beschäftigten für ihre Gesundheit zu unterstützen und die erforderliche große und gemeinsame Pause zu organisieren.

2. Niemand darf zurückgelassen werden: Menschen können nur zu Hause bleiben, wenn sie finanziell abgesichert sind. Deshalb ist ein umfassendes Rettungspaket für alle nötig. Die Menschen, die von den Auswirkungen des Shutdowns besonders hart betroffen sind, werden besonders unterstützt – wie Menschen mit niedrigen Einkommen, in beengten Wohnverhältnissen, in einem gewalttätigen Umfeld, Obdachlose. Sammelunterkünfte müssen aufgelöst, geflüchtete Menschen dezentral untergebracht werden. Menschen, die im Shutdown besonders viel Betreuungs- und Sorgearbeit leisten, sollen durch gemeinschaftliche Einrichtungen entlastet werden. Kinder erhalten Unterricht online, notfalls in Kleingruppen.

3. Ausbau der sozialen Gesundheitsinfrastruktur: Der gesamte Gesundheits- und Pflegebereich muss sofort und nachhaltig ausgebaut werden. Dies gilt auch für Gesundheitsämter und Behörden, die für das Verfolgen der Infektionsketten zuständig sind. Das Personal muss in diesem Bereich aufgestockt werden. Die Löhne sind deutlich anzuheben. Das Profitstreben im Gesundheits- und Pflegebereich gefährdet die kollektive Gesundheit. Wir verlangen die Rücknahme bisheriger Privatisierungen und Schließungen. Die Finanzierung von Krankenhäusern über Fallpauschalen sollte durch eine solidarische Finanzierung des Bedarfs ersetzt werden.

4. Impfstoffe sind globales Gemeingut: Eine globale Pandemie lässt sich nur global besiegen. Öffentliche und private Unternehmen müssen umgehend die erforderliche Produktion von Impfstoffen vorbereiten und durchführen. Impfstoffe sollten der privaten Profiterzielung entzogen werden. Sie sind ein Ergebnis der kreativen Zusammenarbeit vieler Menschen, sie müssen der gesamten Menschheit gehören.

5. Solidarische Finanzierung: Die notwendigen Maßnahmen kosten viel Geld. Die Gesellschaften in Europa haben enormen Reichtum angehäuft, den sich allerdings einige wenige Vermögende angeeignet haben. Mit diesem Reichtum sind die umfassende Arbeitspause und alle solidarischen Maßnahmen problemlos finanzierbar. Darum verlangen wir die Einführung einer europaweiten Covid-Solidaritätsabgabe auf hohe Vermögen, Unternehmensgewinne, Finanztransaktionen und die höchsten Einkommen.

Wir wollen die politische Lähmung in Bezug auf Corona überwinden. Wir wollen uns auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz für den nötigen solidarischen ZeroCovid-Strategiewechsel sammeln. Wie unsere Mitstreiter*innen in Großbritannien (https://zerocovid.uk) wissen wir, dass wir den Schutz unserer Gesundheit gegen kurzfristige Profitinteressen und große Teile der Politik erkämpfen müssen.

Es gibt keinen Gegensatz zwischen Gesundheitsschutz und Pandemiebekämpfung einerseits und der Verteidigung demokratischer Rechte und des Rechtsstaats andererseits. Demokratie ohne Gesundheitsschutz ist sinnlos und zynisch. Gesundheitsschutz ohne Demokratie führt in den autoritären Staat. Die Einheit von beidem ist der entscheidende Schlüssel zu einer solidarischen ZeroCovid-Strategie.

12. Januar 2021

1. WissenschaftlerInnen fordern eine europäische Strategie zur raschen und nachhaltigen Reduktion der COVID-19-Fallzahlen. https://www.containcovid-pan.eu/ Siehe auch: Priesemann, Viola; et.al. (2020): Calling for pan-European commitment for rapid and sustained reduction in SARS-CoV-2 infections. The Lancet. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(20)32625-8

Der Aufruf wird bisher von mehr als 84.000 Unterzeichner*innen unterstützt

Hier kann dieser Aufruf online unterzeichnet werden

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Pressespiegel (30 Artikel)

Zahlreiche weitere Pressemeldungen finden sich hier auf der Webseite von #ZeroCovid

  • Hier Analyse&Kritik: “Shutdown in der Klassengesellschaft – Warum die Forderungen von ZeroCovid kein Lockdown von unten sind” 23.1.21
  • Hier Der Freitag [Podcast]: “Im Gespräch mit Christian Zeller” 22.1.21
  • Hier ein kritischer Kommentar aus der Süddeutschen Zeitung vom 22.1.21
  • Hier Thomas Sablowski zur Kritik an der „ZeroCovid-Kampagne“
  • Hier Junge Welt: »Viele Maßnahmen täuschen bloß Aktivität vor« 21.1.21
  • Hier ein zdf-heute Bericht zu „Zero Covid“ vom 21.1.21
  • Hier “Einige Gedanken des Grundrechtekomitees zur Kampagne #ZeroCovid” 21.1.21
  • Hier Mosaik: “#ZeroCovid – Pro & Kontra 21.1.21
  • Hier WOZ Die Wochenzeitung: “Arbeiten ja, Freizeit nein?” 21.1.21
  • Hier Taz: “Mit Links durch die Krise” 20.1.21
  • Hier ein Tagesschau-Bericht über Null-Covid-Initiativen vom 20.1.21
  • Hier Neues Deutschland: “Mit ZeroCovid kann die Linke in die Offensive gehen” 20.1.21
  • Hier Stern.de: “Alternative Corona-Strategie: Wie #ZeroCovid die Pandemie beenden will” 201,21
  • Hier Tagesschau.de: “Wir müssen diesen Brand jetzt löschen” 20.1.21
  • Hier ein Beitrag von Claudia Wangerin vom 19.1.21 in telepolis
  • Hier ein Beitrag von Sebastian Reinfeld (19.1.21) zur Haltung der Linken
  • Hier ein Interview mit Rudolf Hickel in Zeit-online vom 19.1.21
  • Hier die Pressemitteilung von #ZeroCovid vom 19.1.21
  • Hier ein Beitrag von zdf-heute vom 18.1.21
  • Hier eine Antwort auf Demirovic von Anton Stortchilow in „der Freitag“ vom 19.1.21
  • Hier eine Kritik am Aufruf ZeroCovid von Alex Demirovic in AK analyse & kritik vom 18.1.21
  • Hier ein Interview mit Roman Hergarten (Altenpfleger-Azubi) im ARD-Morgenmagazin vom 18.1.21
  • Hier ein Beitrag von Christian Zeller und Verena Kreilinger in ak-analyse & kritik vom 16.1.21
  • Hier ein inforadio-Interview mit Christian Zeller vom 15.1.21
  • Hier ein Beitrag aus der Süddeutschen Zeitung vom 16.1.21
  • Hier ein Kommentar von Nick Brauns in der jungen Welt vom 16.1.21
  • Hier ein taz-Interview vom 14.1.21 mit Katja Kipping zur ZeroCovid-Initiative
  • Hier ein Artikel in der taz vom 14.1.21
  • Hier ein HNA-Artikel vom 14.1.21
  • Hier ein Gastbeitrag von M.F.Schneider, S. Duckett, Y. Bar-Yam vom 12.1.21