Gegen das Elend der Pandemie und die Pandemie des Elends

Christian Zeller

Die Pandemie ist eine globale Herausforderung. Jede Regierung handelt alleine und im Dienste „ihrer Wirtschaft“. Aber nur mit globaler Solidarität lässt sich die Pandemie sozial verträglich beenden.

Bis Ende 2021 riss die Pandemie gemäß offiziellen Zahlen weltweit 5,5 Millionen Menschen in den Tod. Zahlreiche Länder weisen massive Übersterblichkeiten auf. Die tatsächliche Anzahl der Covid-19-Toten übersteigt die offiziellen Zahlen um ein Vielfaches. Die Zeitschrift The Economist kommt mit einer Analyse der Sterbestatistiken zum Ergebnis, dass die Pandemie bis Ende 2021 weltweit 12 bis 22 Millionen Tote gefordert haben dürfte. Die Omikron-Variante verbreitet sich weltweit rasend schnell.

Die meisten Regierungen verharmlosen die Pandemie. Ihr zentrales Ziel ist es, die Wirtschaft so wenig wie möglich zu beeinträchtigen. Die Menschen werden fast überall zur Arbeit gezwungen, auch bei sehr hohem Ansteckungsrisiko.

Die europäischen Gesellschaften könnten es sich ökonomisch erlauben, viele nicht erforderliche Wirtschaftsbereiche für einige wenige Wochen runterzufahren und solidarisch von den erarbeiteten Reserven zu leben. Für die armen Ländern ist das unmöglich. Darum entspricht es globaler Verantwortung, dafür zu sorgen, dass die reichen Ländern das Virus nicht exportieren.

Der Verlauf der Corona-Pandemie spiegelt die Dominanz der imperialistischen Länder und die damit verbundene internationale Arbeitsteilung wieder. Covid-19-Erkrankungen rissen Millionen von Menschen in Lateinamerika, Afrika und armen asiatischen Ländern in den Tod. Dafür ist auch die verbrecherische Verteidigung der Patente bei den Impfstoffen durch die politischen Eliten und die Pharmakonzerne verantwortlich. Zur Maximierung der Profite ihrer Pharmakonzerne betreiben die reichen Staaten Europas und Nordamerikas einen menschenfeindlichen Impfstoffnationalismus.

Die Pandemie ist eine Pandemie des Elends in den abhängigen und verarmten Gesellschaften. Wer schwadroniert, das Virus werde bald endemisch, blickt bequem über das durch diese Weltordnung verursachte Elend hinweg. Den Preis hierfür bezahlen die Armen der Welt, viele mit ihrem Leben. Ein rasches Ende dieser Barbarei ist nicht in Sicht. Denn auch nach der Pandemie werden die elenden Lebensbedingungen andauern. Darum ist eine weltweit solidarische und umfassende Impfung so wichtig. Doch in vielen Ländern fehlen die Voraussetzungen für umfassende und schnelle Impfkampagnen.

Die Impfstoffe sind ein Ergebnis der Kreativität vieler Menschen und der staatlichen Finanzierung in zahlreichen Ländern. Die Impfstoffe müssen der ganzen Menschheit frei zugänglich sein. Darum sind die Patente auf Impfstoffe aufzuheben. Nötig ist eine weltweit solidarische Erforschung und Produktion von Impfstoffen. Die Gesellschaften in Asien, Afrika und Lateinamerika müssen die erforderlichen medizinischen Güter selber produzieren können. Die Pharmakonzerne sind zu einem Technologietransfer mit den armen Ländern zu zwingen. Gewerkschaften und soziale Bewegungen sollten sich für die demokratische gesellschaftliche Aneignung dieser Profitmaschinen einsetzen, um einen grundlegenden Umbau des Gesundheitssystems einzuleiten.

Christian Zeller lehrt Wirtschaftsgeographie und Global Studies an der Universität Salzburg und engagiert sich für eine transnationale ökosozialistische Bewegung



Kasten:

Solidarisch für die Gesundheit – gegen die Pandemie

In zunehmend mehr Städten demonstrieren Menschen für eine solidarische Pandemiepolitik. Sie stellen sich damit den Corona-Verharmloser*innen auf der Straße entgegen. Sie unterstützen die Beschäftigten in den Krankenhäusern und setzen ein Zeichen, dass sich die Pandemie nur gemeinsam und solidarisch beenden lässt. Demonstrationen gab es zum Beispiel am 8.1. in Aachen mit dem Motto „Solidarisch auch in Krisenzeiten“, Menschenketten in Erfurt, Rudolstadt und Arnstadt, am 10.1. in Mannheim „Uffbasse: Solidarität in der Pandemie“, am 10.1. „Jena solidarisch“ und „Leipzig nimmt Platz“ und am 15.1. in Ebersberg, Oberbayern „Mit Solidarität und Wissenschaft durch die Pandemie!“ Und, und, und…

Wir unterstützen diese lokalen Bündnisse! Wir hoffen, dass es rasch viele werden!